Ein Licht fällt auf Jesus Kreuz

Fallen lassen

Jürgen Ferrary
12. April 2026

Wenn ich in der Schule oder in Glaubensgrundkursen über Vertrauen spreche, mache ich oft ein kleines Experiment. Ich frage jemanden: „Vertraust du mir?“ Wenn die Person nickt, bitte ich sie, sich etwa einen Meter vor mich zu stellen und sich rückwärts fallen zu lassen – mit dem Versprechen, sie aufzufangen. Dann frage ich noch einmal: „Vertraust du mir wirklich?“

Manche lassen sich tatsächlich fallen. Andere zögern im letzten Moment und fangen sich selbst ab. Genau darin zeigt sich, was Vertrauen ist – und was nicht.

Für mich ist dieses einfache Spiel ein starkes Bild für unseren Glauben. Vertraue ich Gott wirklich? Vertraue ich darauf, dass ich nicht ins Nichts falle, wenn ich loslasse? Dass da jemand ist, der mich auffängt – selbst über den Tod hinaus?

Als ein lieber Freund von mir vor ein paar Jahren im Sterben lag, besuchte ich ihn im Krankenhaus. Ich fragte ihn, ob er Angst habe. Er sagte: „Vor dem Sterben habe ich Angst, aber nicht vor dem Tod. Ich weiß, dass Jesus auf mich wartet und mich empfängt.“ Dieses Vertrauen hat sich tief in mein Herz eingeprägt.

Am Kreuz sehen wir genau dieses Vertrauen – in seiner reinsten Form. Jesus steht am entscheidenden Punkt. Er hätte die Macht gehabt, sich zu befreien, seinen geschundenen Körper zu heilen und seine Gegner zu richten. Aber er tut es nicht. Er bleibt.

Markus beschreibt die Szene so: „Inzwischen war es Mittag geworden. Eine Finsternis brach über das ganze Land herein, die bis drei Uhr nachmittags andauerte; die Sonne hatte aufgehört zu scheinen. Dann riss der Vorhang im Tempel mitten entzwei. Jesus rief laut: »Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist!« Mit diesen Worten starb er.“ (Lukas 23,44–46 GNÜ).

Diese Worte sind kein resigniertes Aufgeben, sondern ein bewusstes Loslassen. Jesus legt sein Leben in die Hände des Vaters. Er vertraut darauf, dass der Vater ihn auffängt. Dass der Plan gut ist. Dass sein Werk genügt. Dass die Verheißung der Auferstehung trägt.

Jesus fällt – und vertraut.

Und genau das hat er nicht nur für sich getan, sondern auch für uns. Er geht durch den Tod hindurch, damit wir wissen: Da ist jemand auf der anderen Seite. Der Tod ist kein bodenloser Abgrund mehr, sondern ein Übergang in die Hände Gottes.

Das bedeutet nicht, dass wir keine Angst kennen. Selbst Jesus ringt im Garten Gethsemane. Aber Vertrauen heißt nicht, keine Angst zu haben. Vertrauen heißt, sich trotzdem fallen zu lassen.

Vielleicht stehst du gerade an einem Punkt in deinem Leben, an dem du festhältst. An Sicherheiten, an Kontrolle, an Dingen, die dir Halt geben sollen. Und gleichzeitig spürst du: Eigentlich bin ich eingeladen, loszulassen.

Jesu letzte Worte laden dich ein, genau das zu wagen. Nicht leichtfertig, nicht naiv, sondern gegründet auf jemanden, der bewiesen hat, dass er trägt.

Am Ende schließt sich der Kreis: Vertrauen ist nicht nur ein Spiel aus dem Unterricht. Es ist eine Entscheidung fürs Leben – und darüber hinaus.

Herausforderung für heute: Wo hältst du gerade krampfhaft fest? Benenne es konkret – und lege es im Gebet bewusst in Gottes Hände. Vielleicht nicht perfekt, vielleicht mit zitternden Knien, aber ehrlich. Du wirst nicht ins Leere fallen.

Sei gesegnet.

„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst“ (Ambrose Redmoon).

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